Die Pinguin-Bewegungsgeschichte
Letzten Donnerstag, 16:00 Uhr, Turnhalle. Ich stand vor 14 Vorschulkindern (5-6 Jahre alt) und wusste: Die nächsten 45 Minuten würden entweder genial oder chaotisch. Thema war „Pico der Pinguin“ – eine Bewegungsgeschichte die ich seit 2 Jahren immer wieder mache, aber jedes Mal anpasse.
Heute zeige ich dir was ich im Laufe der Jahre gelernt habe – mit allen Fehlern, Tricks und Anpassungen. Denn eine gute Bewegungsgeschichte ist mehr als nur „ein bisschen turnen mit Thema“. Es ist das Werkzeug, mit dem du selbst die unruhigsten Kinder 45 Minuten bei der Stange hältst.
Warum ich Bewegungsgeschichten liebe
Du kennst das: Kinder turnen widerwillig, sind schnell gelangweilt, wollen nicht warten. Je jünger die Kinder umso größer das Problem.
Bewegungsgeschichten ändern alles.
Warum?
Weil das Gehirn der Kinder nicht mehr denkt „Ich muss turnen“ (Pflicht), sondern „Ich BIN ein Pinguin auf Abenteuer“ (Spiel).
Kinder sind von Natur aus neugierig und sie wollen wissen wie die Geschichte ausgeht.
Konkret habe ich über die Jahre Folgendes beobachtet:
In meinen normalen Turnstunden ohne Geschichte schaffen 5-6-Jährige etwa 25-30 Minuten konzentriertes Üben. Danach wird es unruhig. Bei Bewegungsgeschichten? 40-45 Minuten, manchmal länger. Das sind 50% mehr effektive Übungszeit.
Der zweite Vorteil den ich entdeckt habe: Bewegungsgeschichten lösen das „Ich kann das nicht“-Problem. Wenn ein Kind sagt „Ich kann nicht balancieren“, blockiert es sich selbst. Wenn ich aber sage „Der Pinguin muss über die wackelige Eisscholle“, dann probiert es das gleiche Kind plötzlich. Warum? Der Pinguin darf scheitern, das Kind nicht. Die Geschichte gibt emotionale Erlaubnis zum Scheitern.
Die komplette Pinguin-Bewegungsgeschichte am Stück
Die Geschichte von Pico, dem kleinen Pinguin

Hinweis für dich: Ich erzähle die Geschichte in kurzen Häppchen – immer genau dann, wenn die Kinder an der entsprechenden Station sind. Die Geschichte ist bewusst einfach gehalten.
Hallo zusammen!
Heute nehme ich euch mit auf eine Reise ins Eis – dorthin, wo die Pinguine wohnen!
Wisst ihr, wie Pinguine laufen?
{Kinder sollen wie Pinguine laufen}
Wir müssen heute einem kleinen Pinguin helfen. Sein Name ist Pico.
Aber bevor wir Pico helfen können, müssen wir erst mal Pinguin-Profis werden! Dafür spielen wir jetzt:
PINGUIN-ALARM!
Die Regeln
„Ihr watschelt als Pinguine durch die ganze Halle. Aber aufgepasst – wenn ich rufe:
❄️ EISBERG! → Dann müsst ihr schnell in einen Ring – der Boden ist nämlich gefährlich rutschig!
🌊 WELLE! → Dann legt ihr euch flach auf den Bauch – eine riesige Welle kommt!
🐧 PINGUIN-FAMILIE! → Dann kuschelt ihr euch in Gruppen zusammen (4-5 Kinder) und macht ‚Piep piep piep!‘
☀️ SONNE! → Dann stellt ihr euch ganz groß hin, Arme nach oben – ihr genießt die warme Sonne!
Die Geschichte
Es war einmal ein kleiner Pinguin. Er hieß Pico und er lebte mit seiner Familie ganz weit im Süden, am Südpol, wo es immer eiskalt ist.
Aber wisst ihr was? Pico lebte nicht nur mit Mama und Papa – nein! Pico lebte in einer riesigen Pinguin-Kolonie! Wisst ihr, was das ist?
[Kinder raten oder ich erkläre]

Eine Kolonie ist wie ein großes Dorf! Ganz, ganz viele Pinguin-Familien leben dort zusammen. Hunderte! Alle helfen sich gegenseitig. Wenn ein Pinguin Hilfe braucht, helfen alle anderen mit!
Pico war erst vor Kurzem aus seinem Ei geschlüpft! Seine Eltern kümmerten sich liebevoll um ihn. Und die anderen Pinguine aus der Kolonie passten auch auf ihn auf.
Pico lernte jeden Tag etwas Neues: Wie man watschelt, wie man Fische fängt, wie man auf dem Eis rutscht.
Aber dann… eines Tages… [dramatische Pause] …kam ein kräftiger STURM! Der Sturm war so stark, dass er alle Pinguinnester zerstörte!
Und wisst ihr, woraus Pinguine ihre Nester bauen?
Aus STEINEN (und Eis)! Aber der Sturm hat alle Steine weggeweht! Schaut – da drüben liegen sie!
Pico sagt: ‚Das sind so viele Steine! Das schaffe ich nie alleine!‘
Staffellauf:

Kinder werden in zwei Teams aufgeteilt.
Ein umgedrehter Kasten mit Bällen steht in der Mitte zwischen den Teams.
Je ein Hütchen markiert den Anfang. Die Teams stellen sich hintereinander auf. Der erste Spieler bekommt jeweils ein Hütchen und muss darin einen Ball transportieren.
Ein anderer Kasten, etwas weiter weg markiert das Nest. Dort muss der Ball rein.
Rutschbahn
Gut gemacht, jetzt ist das Nest wieder stabil und fest.
Nachdenklich sieht Pico sich um. Der Wind weht noch immer, aber nicht mehr so stark. Da hat er eine Idee.
Wie wäre es wenn wir einen Runde über das Eis rutschen?
Ruschbahn:
Kinder gehen zu zweit zusammen und bekommen einen Reifen und einen Teppichrutscher/Rollbrett.
Ein Kind zieht den Reifen, während das andere auf dem Teppichrutscher/Rollbrett sitzt und gezogen wird.
Eishügel
Oh nein. Pico ist zu wild geruscht und kann nicht mehr stoppen. Vor ihn sind Eisberge und er kann nicht mehr stoppen.




Eisberg
Oh das ist aber ein großer Eisberg. Hier braucht Pico viel Schwung.

Aus Erfahrung ist bleiben die Kinder gerne bei diesen zwei Stationen. ca. 10 Minuten vor Schluss, rufe ich sie zur Traumreise.
Traumreise
[Alle Kinder setzen sich oder legen sich hin, gedimmtes Licht, leise Musik]
Pico kuschelt sich in sein Nest…
Um ihn herum sind seine Freunde aus der Kolonie… alle ruhen sich aus…
Setz dich dafür gemütlich hin. Oder leg dich auf den Rücken, wie es dir am besten gefällt. Schließe deine Augen, wenn du magst.„
[Kurze Pause – 5 Sekunden – damit alle zur Ruhe kommen]
Pico denkt an den Tag…
Den Eisberg… ruuuutsch…
Die Eisschollen… schwing, schwing…
Die vielen Steine…
Zusammen schaffen wir alles… flüstert Pico…
[kurze Pause]
Pico atmet jetzt ganz ruhig…
Ein… [einatmen] … und aus… [ausatmen]
Und auch du atmest ruhig…
Ein… und aus… ein… und aus…
[5 Sekunden – nur Musik]
Pico ist müde… zufrieden… und stolz…
Heute war ein tolles Abenteuer…
Morgen gibt es ein neues…
piep… piep… flüstern die Pinguine…
[10 Sekunden Stille]
[MUNTERER WERDEN:]
„Und jetzt… ganz langsam…
Es ist, als ob du aus einem schönen Traum erwachen würdest…
Beweg deine Zehen…
Beweg deine Füße…
Streck deine Arme hoch in die Luft… ganz hoch… strecken!
Und jetzt gäääähn wie ein Pinguin… Aaaahhhh!
Atme tief ein… … und aus…
Und jetzt… öffne deine Augen…
Blinzel ein bisschen…
Und setz dich langsam auf…
[warten bis alle sitzen]
Fertig! Gut gemacht!
Pico sagt DANKE! Ohne euch hätte er es nicht geschafft!
Zusammen habt ihr alles geschafft!
