Tier-Turnstunde: "Dschungel-Abenteuer"

Meine bewährte Tier-Turnstunde: „Dschungel-Abenteuer“

Struktur ist alles – besonders beim Thema Tiere

Wenn ich anderen Turnlehrerinnen erzähle dass ich eine Tier-Turnstunde mache, höre ich oft: „Oh Gott, das wird doch total chaotisch, oder?“

Nein. Überhaupt nicht.

Aber nur, weil ich von Minute 1 an klare Strukturen habe.

Ich unterrichte seit 2 Jahren Kinderturnen, und meine Dschungel-Stunde ist die beliebteste bei den 5-Jährigen. Nicht weil sie wild herumtoben dürfen (das dürfen sie nämlich NICHT), sondern weil ich einen glasklaren Ablauf habe, den die Kinder kennen und der ihnen Sicherheit gibt.

Das Tier-Thema ist der rote Faden. Die Struktur ist das Gerüst. Beides zusammen macht eine erfolgreiche Stunde.

Heute zeige ich dir meinen exakten Stundenplan – mit allen Zeitangaben, allen Tricks die ich gelernt habe, und allen Fehlern die du vermeiden kannst.

Meine Stundenstruktur: 6 Phasen in 60 Minuten

Hier ist mein kompletter Ablauf:

Phase 1: Ankommen & Theo-Theo-Ritual (5 Min)
Phase 2: Aufwärmspiel „Alle Vögel fliegen hoch“ (5 Min)
Phase 3: Tierbewegungen mit Yoga im Kreis (20 Min) ⭐ HAUPTTEIL
Phase 4: Geräte-Stationen „Dschungel-Parcours“ (15 Min)
Phase 5: Entspannung „Dschungel-Traum“ (7 Min)
Phase 6: Turnerspruch & Verabschiedung (3 Min)

Jetzt gehe ich durch jede Phase – mit Fokus auf dem Yoga-Teil, weil das der wichtigste ist.

Phase 1: Ankommen & Begrüßungsritual „Theo Theo“ (5 Minuten)

Der Ablauf:

  • Kinder kommen rein, ziehen Schuhe aus, setzen sich sofort in den Kreis (markiert mit buntem Seil am Boden)
  • Ich sitze bereits im Kreis, warte
  • Sobald alle da sind: „Theo Theo“-Lied

Warum dieser Start so wichtig ist:
Am Anfang meiner Laufbahn dachte ich: „Die Kinder sollen sich doch erstmal austoben!“ Großer Fehler. 5-Jährige brauchen zuerst Struktur, dann Bewegung.

Das „Theo Theo“-Ritual gibt den Kindern 3 Dinge:

Ankommen – Übergang von „draußen/Kindergarten“ zu „hier/Turnhalle“

Einen festen Startpunkt – sie wissen: Hier beginnt die Turnstunde

Gesehen werden – jedes Kind wird namentlich begrüßt, das ist emotional wichtig

Phase 2: Aufwärmspiel (5 Minuten)

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Alle Vögel fliegen hoch, Bewegungspiel
Alle Vögel fliegen hoch
Wir spielen das klassische Spiel „Alle Vögel fliegen hoch“ – dabei müssen die Kinder aufspringen wenn das genannte Tier fliegen kann, und sitzen bleiben wenn nicht.
Ich sage verschiedene Dschungel-Tiere, manche können fliegen (Papagei, Schmetterling), manche nicht (Tiger, Schlange).
Zum Spiel

Phase 4: Tierbewegungen mit Yoga im Kreis (20 Minuten)

Alle Kinder sitzen wieder im Kreis. Jetzt darf jedes Kind der Reihe nach ein Tier sagen und wir machen die Bewegung nach.

Hier kann man kreativ werden. Da ich sehr lange Yoga gemacht habe, verwende ich dafür einige Postionen.

Der Ablauf:

Alle Kinder sitzen wieder im Kreis (nach dem Aufwärmspiel).

Ich sage: „Jetzt darf jeder von euch ein Tier sagen. Und dann machen wir ALLE zusammen die Bewegung von diesem Tier nach!“

Die Regel: Jedes Kind ist einmal dran. Bei 12-14 Kindern bedeutet das: 12-14 verschiedene Tiere.

Was ich dabei beachte:

1. Ich zeige IMMER vor, spreche dabei:

Nicht nur still vormachen. Ich erkläre: „Hände hier, Füße da, Po hoch!“

Kinder lernen durch Nachahmen UND durch Worte.

2. Ich passe an schwierigere Positionen an:

Nicht jede Yoga-Position funktioniert 1:1 bei 5-Jährigen.

Beispiel: Die klassische Krähen-Position (auf Händen balancieren) ist viel zu schwer. Stattdessen mache ich: „Die Krähe hockt sich hin und schaut sich um“ (einfache Hocke mit Armen wie Flügel).

3. Ich nutze Fantasie und Geschichten:

„Der Hund hat gerade geschlafen und streckt sich jetzt!“

„Die Schlange kriecht durchs Gras und hebt den Kopf um zu schauen ob Gefahr kommt!“

Das macht die Positionen lebendiger. Kinder sind nicht nur in einer „Position“, sie SIND das Tier.

4. Ich lasse Kinder kreativ werden:

Manchmal sagt ein Kind ein Tier, für das ich keine Yoga-Position kenne (z.B. „Krokodil!“).

Dann sage ich: „Gute Idee! Wie bewegt sich denn ein Krokodil? Zeig uns!“

Das Kind zeigt es, wir alle machen es nach. So entstehen manchmal die besten Bewegungen.

Einmal zeigte ein Junge das Krokodil so: Flach auf dem Bauch liegen, dann mit dem ganzen Körper zur Seite rollen (wie ein Krokodil im Wasser). Genial! Das habe ich seitdem übernommen.

Phase 5 Geräte-Stationen „Dschungel-Parcours“ (20 Minuten)

Hier wird’s ernst. Das ist der Hauptteil.

Ich baue 4 Stationen auf (warum 4? Bei 12-14 Kindern sind das 3-4 Kinder pro Station – perfekt).

Station 1: „Elefantenrücken“

  • Elefantenrücken“
  • Geräte: Großer Kasten + Matte davor
  • Bewegung: Hochklettern und hinunterrutschen oder seitlich runtersteigen
  • Variante: Kleines Trampolin davor → hochspringen wie ein Elefant

Station 2: „Schlangentunnel“

  • 2 Bänke nebeneinander. Eine Matte darüber.
  • Kinder krabbeln darunter durch

Station 3: „Affenschaukel“

  • Ein Kasten und eine große weiche Matte.
  • Ringe oder Seil zum schwingen.

Kastenhöhe je nach alter der Kinder anpassen. Regel: Je jünger umso niedriger.

Station 4: „Frosch-Teich“

  • 6 Reifen am Boden
  • Von Reifen zu Reifen mit Frosch-Sprüngen. Pfeile markieren die Richtung
  • Landung in Hocke (wichtig für Knie-Sicherheit!)

Phase 5: Entspannung „Dschungel-Traum“ (7 Minuten)

Nach 15 Minuten Geräte-Action sind die Kinder aufgedreht.

Jetzt brauchen sie Ruhe.

Der Ablauf:

Alle liegen auf dem Rücken auf Matten. Ich dimme das Licht.

Ich erzähle eine Fantasie-Geschichte (Dschungel-Traum) mit ruhiger, tiefer Stimme:

Dschungel-Traum Geschichte (7 Minuten Meditation)

Alle Kinder liegen auf dem Rücken auf Matten. Licht ist gedimmt. Ich spreche langsam, ruhig, mit tiefer Stimme:


„Schließ deine Augen… oder lass sie ein kleines bisschen offen, wenn du magst…

Du liegst jetzt im Dschungel. Im weichen, warmen Gras. Die Sonne scheint durch die Baumkronen… ganz sanft auf dein Gesicht…

Es ist warm… und sicher… und schön…

Spür mal deine Füße… deine Füße sind ganz schwer… so schwer wie Steine… sie sinken ins weiche Gras… ganz tief… ganz schwer…

Deine Beine werden auch schwer… ganz schwer… wie zwei dicke Baumstämme… sie liegen ganz ruhig da…

Dein Bauch hebt sich… und senkt sich… hebt sich… und senkt sich… ganz von alleine… wie eine sanfte Welle…

Deine Arme liegen neben dir… ganz schwer… ganz ruhig…

Deine Hände sind offen… ganz entspannt…

Über dir siehst du die Bäume… große, grüne Bäume… die Blätter bewegen sich ganz leicht im Wind… hin und her… hin und her…

Du hörst Vögel… ganz weit weg… sie singen ein leises Lied…

Ein Schmetterling fliegt vorbei… ganz langsam… er ist bunt… rot und gelb und blau… er fliegt ganz nah an deinem Gesicht vorbei… und dann weiter… ganz langsam… bis du ihn nicht mehr siehst…

Irgendwo plätschert ein Bach… ganz leise…

Du bist ganz ruhig… ganz sicher… der Dschungel passt auf dich auf…

Dein ganzer Körper ist schwer… und weich… wie eine Katze die in der Sonne liegt…

Du atmest ein… und aus… ein… und aus… ganz ruhig…

(30 Sekunden Stille)

Und jetzt… ganz langsam… bewegst du deine Finger… ganz kleine Bewegungen…

Jetzt deine Zehen… wackle ein bisschen mit den Zehen…

Streck dich… ganz lang… wie eine Katze die aufwacht… strecke deine Arme über den Kopf… streck deine Beine… ganz lang…

Und jetzt… ganz langsam… dreh dich auf die Seite…

Und setz dich auf… ganz langsam… keine Eile…

Öffne deine Augen… schau dich um…

Willkommen zurück aus dem Waldl.

Phase 6: Abschied

Bei uns ist es Üblich die Stunde mit dem Turnerspruch abzuschliessen.

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